Unser Schiedsrichter Noah Netten war Anfang April beim Junioren-Leistungskader-Osterlehrgang in Berlin zu Gast und berichtet von seiner Zeit in der Hauptstadt:

Die Tage in Berlin beim JLK-Osterlehrgang waren intensiv, fordernd und gleichzeitig unglaublich prägend. Ich wurde sehr herzlich von den Nachwuchsschiedsrichtern des Berliner Fußballverbandes in der Sportschule am Wannsee empfangen.

Referenten wie Florian Lechner und Robert Wessel brachten nicht nur Fachwissen mit, sondern vor allem Erfahrung aus der Praxis. Es ging nicht um trockene Theorie, sondern um echte Spielsituationen, um Entscheidungen unter Druck, um das, was uns auf dem Platz wirklich erwartet. Besonders prägend war für mich die Art, wie Florian Lechner Inhalte vermittelt hat: klar, direkt und immer mit einem Bezug zur Realität. Seine Hinweise – wie beispielsweise das Deuten eines Fallmusters im Spiel – haben mir geholfen, Spielsituationen strukturierter zu erkennen und bewusster zu bewerten.

Ein weiteres Highlight war die Lehreinheit mit Lutz Wagner. Auch hier wurden uns keine trockenen Regelvorträge gehalten, sondern praxisnahes Werkzeug für unsere Spielleitungen vermittelt. Es ging um Details, um Feinheiten in der Spielleitung, die am Ende den Unterschied machen können – vor allem auch in Gestik und Mimik im Dialog mit Spielern. Gleichzeitig hatten diese Einheiten etwas Motivierendes: Man hat gemerkt, wie viel man noch lernen kann, aber auch, wie viel man bereits mitbringt.

Besonders spannend war die Spielbeobachtung in der Berlinliga. Ein internationales Gespann aus der Schweiz, Deutschland und Österreich leitete die Partie, die wir anschließend gemeinsam analysierten. Die Videoanalyse danach war extrem lehrreich: Szenen wurden auseinandergenommen, Entscheidungen hinterfragt, Alternativen diskutiert. Genau diese Kombination aus Beobachtung und direkter Auswertung hat mir enorm geholfen, mein eigenes Verhalten auf dem Platz zu reflektieren. Darüber hinaus schlüpften wir in die Rolle des Beobachters, was uns eine weitere Perspektive aufs Spiel ermöglichte – und wir lernten die richtige Kommunikation mit Beobachtern für unsere eigenen Spiele.

Neben all dem standen auch die Leistungstests an: Lauftests mit Sprints, Regeltests, praxisnahe Abseitstests mit anschließender Videobewertung, Englischtests, Konfi-Tests und weitere Variationen von Regeltests.

Ein Aspekt, der für mich langfristig fast noch wichtiger ist als die Inhalte selbst, sind die Kontakte, die ich knüpfen konnte. Menschen aus ganz Deutschland, aus verschiedenen Regionen, mit unterschiedlichen Erfahrungen – und alle mit der gleichen Leidenschaft. Der Austausch war ehrlich, intensiv und auf Augenhöhe. Gerade Gespräche mit Leuten mit enormem Know-how haben mir neue Perspektiven eröffnet und mich motiviert, weiter an mir zu arbeiten.

Auch die Assistentenschulung mit Lasse Koslowski hat uns bei der Auslegung der Abseitsregel klare Leitsätze mitgegeben, die wir in Zukunft in der Praxis umsetzen können. Dabei ging es – wie in den bereits genannten Vorträgen – nicht nur um die reine Korrektheit der Regelauslegung, sondern vor allem um Kriterien, die jeder Schiedsrichter in der Praxis anwenden kann, um zur richtigen Entscheidung zu gelangen.

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Auseinandersetzung mit der psychologischen Seite der Spielleitung. Wir haben uns bewusst gemacht, welche Faktoren uns beeinflussen – von äußeren Einflüssen bis hin zu eigenen Emotionen – und wie wir lernen können, damit umzugehen. Ziel war es, neutraler, klarer und stabiler in unseren Entscheidungen zu werden.

Neben dem sportlichen und fachlichen Teil gab es aber auch Momente, die einfach gutgetan haben. Der Kulturabend im Theater des Westens war eine willkommene Abwechslung und hat gezeigt, dass der Lehrgang mehr ist als nur Leistung und Bewertung. Und auch der Abschlussabend hatte eine besondere Atmosphäre – entspannt, wertschätzend und geprägt von dem Gefühl, gemeinsam etwas erlebt zu haben.

Am Ende war genau das der Punkt, der hängen bleibt: Wir sind als Gruppe zusammengewachsen. Die Tage waren intensiv, sehr anstrengend – aber genau dadurch auch verbindend. Der Abschied fiel schwer, weil man gemerkt hat, dass hier nicht nur Wissen vermittelt wurde, sondern echte Verbindungen entstanden sind.

Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, nehme ich vieles mit: fachliche Entwicklung, neue Denkweisen, konkrete Werkzeuge für meine Spielleitung – aber vor allem ein starkes Netzwerk und tolle Menschen!